Die 35. Schwangerschaftswoche (35. SSW)

34 lange, aufregende Schwangerschaftswochen (SSW) liegen bereits hinter dir. Somit bleiben noch 6 Schwangerschaftswochen, bis du endlich dein Baby in deinen Armen hältst.

Bis dahin solltest du besonders gut auf deinen Körper hören und jedes seltsame Anzeichen mit deinem Arzt oder deiner Hebamme besprechen. Denn ab der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) ist eine vorzeitige Geburt nicht ausgeschlossen. Frühgeborene Babys, sogenannte Frühchen, haben bei einer vorzeitigen Geburt in der 35. Schwangerschaftswoche bei guter medizinscher Versorgung sehr gute Überlebenschancen und entwickeln sich in der Regel wie Neugeborene in der 40. Schwangerschaftswoche (SSW) normal. Deshalb werden Frühchen ab der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) als „Spätes Frühchen“ bezeichnet.

Für berufstätige Schwangere beginnt ab der 35. Schwangerschaftswoche offiziell der Mutterschutz (siehe auch SSW 32), der der werdenden Mutter die letzten Schwangerschaftswochen ohne Arbeitsstress und dafür mit Ruhe und Erholung erleichtern soll.

Außerdem kannst du die letzten Wochen deiner Schwangerschaft die Zeit noch für Schwangerschaftsgymnastik oder den Geburtsvorbereitungskurs nutzen. Manchen Schwangeren tut es auch gut, sich mit anderen werdenden Müttern auszutauschen oder aber ganz allein für sich zu sein und sich mental auf die baldige Geburt vorzubereiten.


 

Veränderungen des Körpers ab der 35. SSW

Dein Körper bemerkt nun immer stärker das zunehmende Gewicht des wachsenden Babys, welches immer mehr auf deine Blase drückt. So kann es passieren, dass du beim Husten, Lachen oder Niesen etwas Urin verlierst. Das Tragen von Slipeinlagen oder dünnen Binden kann dir in den letzten Schwangerschaftswochen (SSW) dabei ein besseres Gefühl geben, vor allem wenn du in der Öffentlichkeit unterwegs bist und nicht an jeder Ecke eine Toilette zu finden ist.

Beim Urinieren erkennst du, welcher Muskel dabei angestrengt wird. Dabei handelt es sich um den Beckenbodenmuskel, der auch bei der Geburt eine wichtige Rolle spielt. Deshalb werden in den Geburtsvorbereitungskursen Übungen zum Stärken des Beckenbodens und Beckenbodenmuskels eingebaut. Diese Übungen kannst du in dem Kurs oder auch alleine, nachdem du beispielsweise beim Urinieren festgestellt hast, wie du ihn an- und entspannen kannst, durchführen.

Wichtig für dein Wohlergehen und die Gesundheit des Kindes ist, dass du dich nun nicht mehr körperlich stark anstrengst, keine schweren Gegenstände mehr hebst und langes Stehen vermeidest.

Des Weiteren sind auch in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) Wassereinlagerungen in den Gefäßen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Unterleibsschmerzen typische Symptome einer Spätschwangerschaft, die du beobachten solltest, um negative Veränderungen und Verstärkung der Schmerzen sofort deinem Arzt mitteilen zu können, um Komplikationen für dich und das Ungeborene oder Senkwehen, d.h. Vorwehen der Geburt, auszuschließen. Im Zuge deiner Schwangerschaft ist eine weitere Gewichtszunahme unvermeidbar und total natürlich.

 

Entwicklungen des Babys ab der 35. SSW

Das Baby wächst bis zur 40. Schwangerschaftswoche und nimmt auch an Gewicht zu. In der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) hat es inzwischen ein Gewicht von etwa 2550 g und eine Länge von 46 cm und somit immer weniger Platz in deinem Bauch, der nun beträchtlich groß wirkt.

Eine wichtige Entwicklung in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) ist, dass das Ungeborene nun sein eigenes Immunsystem entwickelt, wobei es nach der Geburt noch einige Zeit braucht, um tatsächlich gegen alle negativen, äußeren Einflüsse immun zu sein.

Falls dein Baby schon in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt kommt, so läuft dies meistens ohne große Komplikationen ab, da das Frühgeborene bereits vollständig entwickelt ist. Aus diesem Grund werden diese frühgeborenen Babys nicht mehr nur Frühchen genannt, sondern „Späte Frühchen„. Späte Frühchen können wie „normal“ Geborene sowohl auf natürlichem Wege als auch mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kommen.

 

Alles rund um den Kaiserschnitt

Vielleicht wird bei dir aus einem bestimmten Grund ein Kaiserschnitt notwendig sein, wie beispielsweise bei einer Risikoschwangerschaft oder Mehrlingsschwangerschaft, oder aber du hast dich bereits aus freiem Willen und bewusst dafür entschieden. Deshalb unterscheidet man bei Kaiserschnitten zwischen einem Wunschkaiserschnitt und einem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt.



Bei einem Wunschkaiserschnitt wäre die Mutter medizinisch, physisch und psychisch eigentlich in der Lage, die Entbindung normal, d.h. vaginal, durchzuführen. Die Beweggründe zu einem Wunschkaiserschnitt sind sehr verschieden: Manche Frauen haben Angst vor den Schmerzen einer vaginalen Geburt, andere haben vielleicht bei der ersten, vaginalen Geburt schlechte Erfahrungen gemacht.

Ein Kaiserschnitt (oft einfach nur Sectio genannt) kann aber auch im Voraus geplant sein, wenn er notwendig ist. So zum Beispiel bei Querlage des Kindes oder bei bestimmten mütterlichen Vorerkrankungen. Bei Zwillingen oder Beckenendlage des Ungeborenen bieten manche Geburtskliniken an, die vaginale Entbindung wenigstens zu versuchen. Hierbei wird die Geburt streng beobachtet.

Im Fall einer Komplikation oder bei zu starken Schmerzen der Gebärenden kann schnell doch noch ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Frühgeburten werden oft per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Neue Forschungen zeigen jedoch, dass das für Frühchen nicht unbedingt vorteilhafter als die vaginale Entbindung ist.

Selbst während einer vaginalen Geburt muss bei Komplikationen manchmal völlig ungeplant ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Je nach Planung kommen dabei verschiedene Arten der Narkose in Frage. Geplante Kaiserschnitte werden meist in Spinal- oder Periduralanästhesie durchgeführt. Hierbei ist die Mutter nur örtlich betäubt und wach und bekommt ihr Baby zum Bonding, d.h. zum “Haut auf Haut”-Kontakt zwischen frischgebackener Mutter und Neugeborenen, sofort nach der Geburt auf die Brust.

Dadurch spürt das neugeborene Baby den Herzschlag der Mutter und wird beruhigt. Wenn es während der Entbindung zu Komplikationen kommt und es schnell gehen muss, reicht es nicht, die Periduralanästhesie zu “verstärken”. Dann wird oft eine Vollnarkose gemacht. In solchen Fällen ist das Baby nach zehn bis 15 Minuten da und wird auf die Brust der Mutter gelegt.

 

Was passiert beim Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt ist ein ernst zu nehmender Eingriff. Frauen werden danach langsamer wieder fit, so dass der Frauenarzt sogar eine Haushaltshilfe für die ersten Wochen verschreiben kann. Beim Bauchschnitt werden Gebärmutter und alle Bauchschichten geöffnet und danach mit einer Naht wieder verschlossen. Die Kaiserschnittnarbe ist heutzutage quer, knapp unter der Bikinilinie.

Sie ist also später kaum zu sehen, muss in den ersten Tagen aber beobachtet werden. Die Rückbildung der Gebärmutter läuft langsamer ab, hier hilft allerdings das Stillen, da dies hormonbedingt die Rückbildung begünstigt. Stillen ist genauso gut wie nach einer Spontangeburt (so wird die natürliche Geburt genannt) möglich, der Milcheinschuss kommt allerdings ein bis zwei Tage später. Das halten die meisten Babys aber sehr gut auch ohne Zufüttern aus.

Um das Bonding muss man sich ebenso keine Sorgen machen. Wenn möglich, wird das Baby sofort nach dem Kaiserschnitt der Mutter gegeben und so der wichtige Hautkontakt hergestellt.

Ist die Mutter in Vollnarkose, bekommt zunächst der Vater das Baby, wenn er denn bei der Geburt anwesend ist. Viele Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hinter sich hatten, fragen sich danach, was man bei einer Folgeschwangerschaft beachten muss. Eine erneute Schwangerschaft ist nach mindestens einem Jahr wieder möglich, hier besteht aber die Gefahr einer Uterusruptur.

Das heißt, die Gebärmutter kann, besonders an der Stelle der Narbe, einreißen. Außerdem ist das Risiko erhöht, dass sich die Plazenta falsch einnistet oder verwächst. Bei der zweiten Schwangerschaft natürlich zu entbinden ist möglich, aber auch hier besteht das Risiko einer Uterusruptur.

Das hört sich nun alles sehr gefährlich an, aber: Alle diese Risiken bestehen in geringem Maße auch bei einer Schwangerschaft ohne vorangegangene Sectio, nach Kaiserschnitt sind sie lediglich ein wenig erhöht.

Alles in allem ist der Kaiserschnitt heutzutage eine sehr sichere und manchmal ja auch notwendige Alternative zur natürlichen Entbindung. Deshalb solltest du dir nicht zu viele Sorgen machen, wenn bei dir ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss. Lass dich am besten noch einmal persönlich von deiner Hebamme und deinem Frauenarzt über alle Themen rund um den Kaiserschnitt aufklären, damit du sorgenfrei die Geburt deines Kindes erleben kannst.



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